• 08 JAN 19
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    Die Freiheit und die Bürde des Denkens

    Die Freiheit und die Bürde des Denkens

    Schweigeseminar mir Eberhard Bärr zum Jahresbeginn 2019

     

    „ Was, DU machst ein Schweigeseminar? Hältst Du das aus? Was soll das denn bringen“?

    So oder ähnlich waren mehrheitlich die Reaktionen auf die Information, dass ich das neue Jahr in noblem Schweigen beginnen würde.

    Ich kannte Schweigezeiten schon von früheren Seminaren, allerdings nur in der „Light-Version“ : von der Abendmeditation bis nach dem Frühstück. Diesmal sollte es fünf Tage am Stück sein.

    Eberhard Bärr war die einzig „Bekannte“ in diesem Experiment Selbsterforschung. Ich kannte ihn als Referent aus meiner Yogalehrerausbildung und war damals schon beeindruckt und begeistert von seiner Art, Wissen zu vermitteln. Stimmgewaltig, präzise, klar und ausgesprochen humorvoll. Alles andere, der Seminarhof am Schlegelberg, die anderen Teilnehmer, der Tagesablauf, war mir unbekannt.

    Angst, dass ich das nicht schaffen würde, hatte ich nie. Im Gegenteil, ich empfand von Anfang an diese Zeit der Stille als ein Geschenk an mich selbst. Eine Auszeit vom Trubel des Alltags, von der Geschäftigkeit des Arbeitslebens, von den hohen Erwartungen immerwährender Produktivität und Leistung. Meinen unruhigen Geist, diese ständige innere Unruhe endlich einmal zur Ruhe bringen – eine verheißungsvolle Aussicht.

    Nun, es war weder leicht noch schwer. Jeder Tag war anders, der Tagesablauf immer derselbe:

    Start um 7:30 Uhr mit Yoga und Meditation. Frühstück um 9 Uhr, ab 10 Uhr Vorträge zum Thema. Mittagessen um 12:30 Uhr, danach freie Zeit. Um 17 Uhr wieder Yoga und Meditation, Abendessen um 19 Uhr. Um 20 Uhr Fragestunde (man kann eine Frage zum Thema stellen, aber es gibt keinen Dialog), Ende gegen 21:30 Uhr. Bettruhe. Repeat.

    Der geregelte Tagesablauf half enorm. Die gute Verpflegung am Schlegelberg ebenfalls. Das nicht sprechen war kein Problem. Das sich nicht ablenken schon eher. Regeln gab es keine (sehr sympathisch!), nur Empfehlungen. „Lass die Welt da draußen in Ruhe und lass Dich selbst in Ruhe.“ So brachte es Ebi in seiner unvergleichlich schlichten Direktheit auf den Punkt. Soll heißen: keine Ablenkung durch Lesen, Malen, Schreiben, Sport, Internet surfen etc. Du bleibst ganz allein mit Dir. Hältst dich und deine Langeweile einfach aus. Puh, gar nicht so leicht!

    Ein bisschen habe ich schon geschummelt, in vollem Bewusstsein. Ich habe gelesen (immerhin in der Bhagavad Gita, einem indischen Weisheitstext), ich habe meinem Mann täglich ein SMS geschrieben (ok, manchmal waren es zwei) und ich habe einmal Sport gemacht (Zirkeltraining auf der Matte in meinem Zimmer). Letzteres habe ich bitter bereut.

    Ebi hatte uns eingangs noch extra darauf hingewiesen „sanft“ mit uns zu bleiben, das zur Ruhe kommen könne mit einer großen Müdigkeit einhergehen. Wie wahr! Obwohl ich für mein Dafürhalten total weinig gemacht hatte, hat sich hinterher eine bleierne Erschöpfung eingestellt. Die sanften Yogaübungen am Nachmittag waren schier unmöglich und in Savasana bin ich sogar eingeschlafen. Kein friedliches Wegdösen, sondern diese unangenehm dunkle Schwere, die einem den Boden entzieht. Das war mir eine Lehre! Und hat mir sehr deutlich vor Augen geführt, wieviel Kraft es mich kostet, mein Tempo und mein Leistungsniveau im Alltag aufrechtzuhalten.

    Und das ruhig werden des Geistes? Mit der Meditation hatte und habe ich so meine liebe Mühe. Mein Intellekt hat tausend Erklärungen warum das gerade nicht geht. Hier spielte der Faktor Zeit während des Seminars eine entscheidende Rolle. Irgendwann wurde es leichter. „Zuschauen was passiert“ nannte es Ebi. Nichts muss weg, nichts muss dazu. Nicht werten, nicht benennen, nicht kommentieren, nur beobachten. Alles ändert sich. Punkt. Du bist. Punkt. Ich liebe diese radikale Einfachheit.

    Und bin ich nach diesen fünf Tagen ruhiger? Ja. Aber das wird sich ändern.

    Fällt mir die Meditation leichter? Nein. Aber auch das wird sich ändern.

    Ich bleibe dran an der Meditation. Ruhig werden, klar werden. Das kann man nicht erzwingen. Genauso wenig wie das Einschlafen am Abend. Irgendwann geschieht es einfach.

    Und wie Ebi so schön sagt:“ Du bist das Problem und Du bist die Lösung.“

    Danke Ebi!

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