• 06 SEP 19
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    Mantra, Om & Co

    Mantra, Om & Co

    Muss ich unbedingt Om chanten und Mantra singen wenn ich Yoga machen will?

    Die kurze Antwort vorweg: Nein.

    Wozu dann das alles?

    Gute Frage. Ich habe mich selbst viele Jahre gegen das Singen gewehrt und das Om war auch nicht so mein Fall. Irgendwie hatte das für mich einen religiösen Beigeschmack und ich fand einfach keinen Zugang dazu. Hinzu kommt, dass ich meine Stimme nicht schön finde, Töne schlecht treffe und noch schlechter halten kann. Man kann also getrost sagen, ich hatte Angst vorm Singen – und davor mich zu blamieren. In der Ausbildung habe ich zwar brav mitgesungen, aber ohne Begeisterung. In meinen eigenen Stunden habe ich das – aus oben dargelegten Gründen – nie praktiziert.

    Bis vor kurzem.

    Wie vieles im Leben war auch das ein Prozess. Die epische Breite dieser Entwicklung erspare ich Euch.

    Die Quintessenz: immer wieder probieren, mit unterschiedlichen Herangehensweisen.

    Ist im Prinzip wie beim Wein trinken. Anfangs hat man alle mögliche Vorstellungen und Vorurteile. Dann muss man sich erst an den Geschmack gewöhnen und die Geschmacksknospen schulen. Verschiedene Sorten probieren bis man herausfindet, was einem schmeckt. Und zu guter Letzt: die Dosis macht den Genuss 😉

    Ich erlaube mir hier eine ganz nüchterne (super Wortspiel!) und sehr persönliche Betrachtung des Mantra Singens und Om Chantens:

    Wenn ich zu Beginn der Stunde ruhig sitze und mich sammle ist das der Zeitpunkt, mich ganz bewusst vom Alltag zu lösen und mich innerlich auf die Yogapraxis vorzubereiten. Dann wird dreimal das Om gesungen. OM wir oft auch als der Ur-Laut bezeichnet, quasi das erste und universelle „Hallo“ (das ist bitte MEINE Interpretation, alle Vollblut-Yogis werden jetzt spätestens rotieren).

    Ich stelle mir also vor, wie dieses „Hallo“ = „Om“ beim Singen aus der Tiefe meines Beckens bis zu meiner Schädeldecke hochwandert. Auf dem Weg nach oben bringen die Schallwellen meine Wirbelsäule ganz sanft zum Schwingen. Quasi wie aufwärmen. Und wenn wir gemeinsam singen stimmen wir uns in jeder Hinsicht auf einander ein. Es geht nicht darum, lauter oder länger als der Nachbar zu singen, sondern harmonisch gemeinsam.

    Ein zweiter Aspekt des Om ist, dass es wie ein akustisches Signal ist.

    “JETZT ist die Zeit für Yoga”, bzw. “jetzt ist es vorbei” am Ende der Stunde. Wie die Pausenglocke in der Schule. Das Om bildet gleichsam den Rahmen für die Stunde.

    Wenn das Om das erste sanfte Mobilisieren war, dann ist das Mantra singen quasi das warm up. Schließlich sind jede Menge Muskeln beim Singen beteiligt. Atemmuskeln – Muskeln – Aufwärmen –alles klar? 😉

    Ich singe in meinen Stunden das Om Namah Shivaja Mantra, das klassisch im Anusara Yoga gesungen wird.

    Dieses Mantra hat mich einfach Mitten ins Herz getroffen, noch bevor ich den Inhalt kannte. Kurz zusammengefasst sagt es, dass in jedem von uns bereits dieser perfekte Kern ist. Halt unter mehr oder weniger Schichten versteckt. Aber er ist schon da. Und ich stelle mir vor, dass ich durch meine Yoga Praxis Schicht für Schicht abtrage, um mehr von diesem wunderbar strahlenden Kern freizulegen. Braucht Schweiß, Anstrengung und Zeit – aber wie sagt meine Lehrerin Tina Lobe so schön: „Yoga kann man nicht konsumieren“. Gesundheit übrigens auch nicht.

    Hier stoppe ich, denn jetzt könnte ich so richtig schön mit dem Philosophieren und Dozieren loslegen (mein Mann verdreht an dieser Stelle dann immer die Augen und sagt: Ja, ja, Frau Professor!“).

    Also kurz zusammengefasst könnte man ganz pragmatisch sagen: Das Om und das Mantra sind das gemeinsame Beginnen und Beenden der Yogapraxis, wie ein warm up und cool down. Man kann mitmachen oder es seinlassen

    Lohnenswert allemal, aber nicht zwingend notwendig. 🙂

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